Tatwissen- Test: POT und GKT im Vergleich durch die Detektei und Forensik Leutz
Wenn nicht nur die Aussage zählt, sondern die Reaktion auf Tatwissen - Sie erreichen uns unter +491601527605 zum Erstgespräch und zur Beauftragung in Ihrem Fall. Der Dipl.-Ing.-Päd. Holger Leutz berät Sie gerne in Ihrer Problemstellung.
Ein Lügendetektor-Test kann unterschiedliche Fragestellungen verfolgen. Besonders interessant wird es, wenn es um Informationen geht, die mit einer konkreten Tat oder einem bestimmten Ereignis verbunden sind.
Hier kommen unter anderem der Pick-off-Tension-Test (POT) und die Guilty Knowledge Technique (GKT) zum Einsatz.
Beide Verfahren arbeiten mit tatbezogenen Informationen – sie setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.
🔎 Der entscheidende Unterschied lautet:
Geht es darum, welche Frage die stärkste physiologische Reaktion auslöst, oder darum, ob eine Person auf ein Detail reagiert, das möglichst nur ein tatsächlicher Täter kennen kann?
⚠️ Ein wichtiger Hinweis für Auftraggeber
Bevor Sie über einen Tatwissenstest nachdenken: Sprechen Sie möglichst wenig über die Tat.
Das klingt zunächst selbstverständlich. In der Praxis wird dieser Punkt jedoch erstaunlich häufig übersehen.
Wenn ein GKT beziehungsweise Tatwissenstest in Betracht kommt, sollte der Auftraggeber möglichst darauf achten, tatbezogene Einzelheiten nicht unnötig gegenüber den Personen offenzulegen, die später untersucht werden sollen.
Denn einmal bekannt gewordenes Tatwissen lässt sich nicht einfach wieder „zurückholen“.
Ein Beispiel aus dem Unternehmensbereich
Stellen wir uns folgende Situation vor:
In einem Unternehmen wird Geld aus einem Tresor gestohlen.
Der Geschäftsführer versammelt vier Mitarbeiter und sagt:
«„Der Tresor wurde geöffnet. Die Kombination kannten nur du, du, du und du. Einer von euch hat 21.700 Euro gestohlen. Ich wollte mit dem Geld eigentlich morgen ein neues Auto kaufen.“»
Damit hat der Auftraggeber bereits eine ganze Reihe von Informationen an sämtliche möglichen Probanden weitergegeben.
Alle vier wissen nun:
- dass Geld gestohlen wurde,
- dass es aus dem Tresor stammt,
- dass der Tresor geöffnet wurde,
- dass nur diese vier Personen die Kombination kannten,
- und sogar, dass es sich um 21.700 Euro handelt.
🔐 Für einen späteren GKT kann genau dieses Wissen damit seinen besonderen Wert verlieren.
Denn wenn anschließend eine Testperson auf die Summe von 21.700 Euro reagiert, lässt sich daraus nicht ohne Weiteres ableiten, dass sie dieses Wissen aufgrund eigener Tatbeteiligung besitzt.
Sie könnte es schlicht deshalb wissen, weil der Auftraggeber es ihr vorher mitgeteilt hat.
Deshalb gilt:
Wer vor einem GKT zu viele Informationen preisgibt, kann unbeabsichtigt genau das Tatwissen zerstören, das später für den Test benötigt wird.
Unser Rat an Auftraggeber:
👉 Wenn ein Tatwissenstest in Betracht kommt, sprechen Sie mit möglichen Probanden möglichst nicht über konkrete Tatdetails.
Lassen Sie zunächst prüfen, welche Informationen tatsächlich noch exklusiv sind und sich für einen GKT eignen könnten.
POT – Pick-off-Tension-Test
Beim POT (Pick-off-Tension-Test) werden mehrere tatbezogene Fragen beziehungsweise Antwortmöglichkeiten miteinander verglichen.
Der wesentliche Gedanke besteht darin, innerhalb einer Testreihe festzustellen, auf welche der präsentierten Möglichkeiten die stärkste physiologische Reaktion erfolgt.
Dabei wird nicht lediglich betrachtet, ob überhaupt eine Reaktion auftritt.
Entscheidend ist das Reaktionsmuster im Vergleich zu den anderen Fragen.
📈 Typischerweise kann sich eine deutliche Anspannung beziehungsweise Reaktionsspitze zeigen, auf die im weiteren Verlauf eine entsprechende Abflachung folgt.
Vereinfacht gesagt:
Der POT sucht innerhalb der Testreihe nach der auffälligsten beziehungsweise führenden Reaktion.
Ein typisches POT-Beispiel
Bei einem Einbruch wurden mehrere Gegenstände entwendet:
- eine Armbanduhr
- ein Laptop
- eine Kamera
- Schmuck
- Bargeld
Die Testperson wird mit diesen Möglichkeiten konfrontiert.
Wenn beispielsweise bei der Frage nach der Armbanduhr eine deutlich stärkere Reaktion auftritt als bei den übrigen Gegenständen, kann dieses Reaktionsmuster für die weitere Interpretation von Bedeutung sein.
Der POT fragt damit vereinfacht:
«Bei welchem der präsentierten Tatbezüge zeigt sich die stärkste Reaktion?»
⚠️ Eine starke physiologische Reaktion ist allerdings nicht automatisch ein Beweis dafür, dass die Person Täter ist oder die Tat begangen hat.
Die Reaktion muss immer im Zusammenhang mit dem konkreten Testaufbau, der Fragestellung und der möglichen Entstehung des Wissens betrachtet werden.
GKT – Guilty Knowledge Technique
Die Guilty Knowledge Technique (GKT) verfolgt einen anderen Ansatz.
Hier steht nicht die stärkste Reaktion auf eine beliebige Tatfrage im Mittelpunkt.
Entscheidend ist vielmehr, ob eine Person auf spezifisches Tatwissen reagiert.
Der Test setzt deshalb eine wesentliche Voraussetzung voraus:
🔐 Das relevante Detail sollte so gewählt sein, dass es nur dem Täter oder einer sehr eng begrenzten Personengruppe bekannt sein kann.
Genau darin liegt die besondere Stärke – aber auch die besondere Einschränkung – des GKT.
Wenn beispielsweise nur der Täter wissen kann, dass bei einer Tat ein bestimmter Gegenstand verwendet wurde, kann dieses Detail Bestandteil eines GKT sein.
Allerdings muss zuvor sehr sorgfältig geprüft werden:
Wer konnte diese Information tatsächlich kennen?
Denn wenn das Detail bereits in der Presse veröffentlicht wurde, Ermittlungsbeamte darüber gesprochen haben, Zeugen davon wissen oder die Information anderweitig zugänglich war, verliert die entscheidende Voraussetzung des GKT an Aussagekraft.
Ein typisches GKT-Beispiel
Bei einem Einbruch wurde eine bestimmte Tatwaffe verwendet.
Die Öffentlichkeit weiß lediglich, dass eine Waffe eingesetzt wurde.
Ein bestimmtes Detail – beispielsweise ein charakteristisches Merkmal der Waffe – wurde dagegen nicht veröffentlicht und ist nur dem Täter und wenigen unmittelbar mit der Tat befassten Personen bekannt.
Im Test werden mehrere Möglichkeiten präsentiert:
- schwarze Waffe
- silberne Waffe
- braune Waffe
- blaue Waffe
- grüne Waffe
Die entscheidende Frage lautet nun nicht einfach:
«„Welche Antwort löst die stärkste Reaktion aus?“»
Vielmehr geht es darum:
«Reagiert die Testperson spezifisch auf das tatsächliche, nicht öffentlich bekannte Tatdetail?»
Genau hier liegt der konzeptionelle Unterschied zum POT.
POT und GKT – die wesentlichen Unterschiede
POT – Pick-off-Tension| GKT – Guilty Knowledge Technique
Sucht nach der stärksten Reaktion innerhalb einer Fragegruppe| Prüft die Reaktion auf spezifisches Tatwissen
Vergleich mehrerer tatbezogener Fragen| Vergleich von Tatdetail und Kontrollalternativen
Die führende Reaktion steht im Mittelpunkt| Die Kenntnis eines spezifischen Details steht im Mittelpunkt
Kann auch dann eingesetzt werden, wenn nicht jedes Detail ausschließlich dem Täter bekannt ist| Erfordert möglichst exklusives Täterwissen
Die Herkunft des Wissens muss bei der Interpretation berücksichtigt werden| Die Exklusivität des Wissens ist eine zentrale Voraussetzung
Die physiologische Reaktionsstärke ist wesentlich| Die spezifische Reaktion auf das kritische Tatdetail ist wesentlich
Der entscheidende methodische Unterschied
Der Unterschied lässt sich auf einen einfachen Gedanken reduzieren:
🎯 POT:
«„Auf welche der präsentierten Fragen beziehungsweise Tatmöglichkeiten reagiert die Person am stärksten?“»
🔐 GKT:
«„Reagiert die Person auf ein Detail, das sie eigentlich nur kennen dürfte, wenn sie über spezifisches Tatwissen verfügt?“»
Damit wird auch deutlich, warum der GKT wesentlich stärker von der Qualität und Exklusivität des Tatwissens abhängig ist.
Ein GKT kann seine besondere Aussagekraft nur dann entfalten, wenn das sogenannte Guilty Knowledge tatsächlich exklusives Tatwissen sein kann – also Wissen, das nicht bereits auf anderem Wege zur Testperson gelangt sein kann.
Ein Beispiel, das den Unterschied besonders deutlich macht
Nehmen wir an, bei einem Einbruch wurde Schmuck entwendet.
POT
Es werden verschiedene entwendete Gegenstände als Tatbezug präsentiert:
Ring – Armbanduhr – Halskette – Brosche – Geldbörse
Die Reaktionen auf die einzelnen Fragen werden miteinander verglichen.
Zeigt sich beispielsweise bei „Halskette“ die deutlich stärkste Reaktion, ist diese führende Reaktion für die Auswertung relevant.
GKT
Nun wird nicht nach verschiedenen entwendeten Gegenständen gefragt.
Stattdessen wird ein spezifisches, nicht veröffentlichtes Detail verwendet:
Wo wurde die Halskette versteckt?
Es werden mehrere mögliche Orte präsentiert, wobei nur einer dem tatsächlichen Tatgeschehen entspricht.
Hier lautet die entscheidende Frage:
Reagiert die Testperson gerade auf das tatsächliche, nicht öffentlich bekannte Detail?
Das ist eine grundsätzlich andere Fragestellung.
Warum die Herkunft des Wissens so wichtig ist
⚠️ Beim GKT ist die Frage nach der Informationskontamination von zentraler Bedeutung.
Wenn ein Tatdetail bereits durch Medienberichte, soziale Medien, Gespräche mit Zeugen, Ermittlungsakten oder andere Informationsquellen bekannt geworden sein kann, lässt sich eine Reaktion auf dieses Detail nicht mehr ohne Weiteres als Hinweis auf Täterwissen interpretieren.
Deshalb beginnt ein sauberer GKT nicht erst am Polygraphen.
Er beginnt bereits bei der Auswahl und Überprüfung der Tatinformationen.
Welche Information ist bekannt?
Wer kennt sie?
Wann wurde sie bekannt?
Auf welchem Weg konnte sie weitergegeben werden?
Und vor allem:
Kann tatsächlich ausgeschlossen werden, dass die Testperson dieses Wissen auf anderem Wege erworben hat?
POT oder GKT?
Es geht deshalb nicht darum, welcher Test grundsätzlich „besser“ ist.
Entscheidend ist vielmehr, welche Fragestellung vorliegt und welche Informationen tatsächlich zur Verfügung stehen.
Der POT kann insbesondere dort interessant sein, wo verschiedene tatbezogene Fragen miteinander verglichen werden sollen und eine führende physiologische Reaktion gesucht wird.
Der GKT setzt dagegen eine wesentlich strengere Voraussetzung voraus:
Es muss ein spezifisches und möglichst exklusives Tatdetail vorhanden sein, dessen Kenntnis für die Testperson nicht auf normalem Wege erklärbar sein sollte.
🧩 Die Qualität des Tests beginnt deshalb bereits vor der ersten Frage.
Nicht die technische Aufzeichnung allein entscheidet über die Aussagekraft eines Tests.
Entscheidend sind unter anderem:
- die Auswahl der Tatinformationen,
- die Konstruktion der Fragen,
- die tatsächliche Kenntnislage,
- die Vermeidung unnötiger Informationsweitergabe,
- und die fachgerechte Interpretation der physiologischen Reaktionen.
Moment, Punkt. Schauen wir noch einmal genauer hin.