MGQT - Modified General Question Test

In Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig, Dipl.-Ing.-Päd. Holger Leutz, Polygraph Examiner, in Israel ausgebildet, zu Ihrer Fragestellung verfügbar und zu erreichen unter +491601527605



Der MGQT (Modified General Question Test) ist eine Variante des Vergleichsfragenverfahrens beim Polygraphentest. Wie bei anderen CQT-Verfahren werden unterschiedliche Fragetypen miteinander in Beziehung gesetzt.

Entscheidend ist dabei nicht die Reaktion auf eine einzelne Frage. Bewertet wird vielmehr das Muster der physiologischen Reaktionen innerhalb der gesamten Testserie.

Der Polygraph misst dabei keine „Lüge“. Er registriert physiologische Veränderungen, beispielsweise in Atmung, kardiovaskulärer Aktivität und elektrodermaler Aktivität. Erst die methodisch kontrollierte Auswertung dieser Messdaten ermöglicht eine diagnostische Einschätzung.

Ein Polygraph ist deshalb kein Beweisgerät.

Er kann Hinweise liefern, die zusammen mit den erhobenen Informationen und den Umständen des Einzelfalls bewertet werden müssen.

Wie funktioniert ein MGQT?

Im MGQT werden unterschiedliche Fragetypen miteinander kombiniert. Dazu gehören insbesondere:

- irrelevante Fragen – Fragen ohne unmittelbaren Untersuchungsbezug,
- Vergleichs- bzw. Kontrollfragen – Fragen, die eine Vergleichsreaktion ermöglichen sollen,
- relevante Fragen – Fragen, die unmittelbar den Untersuchungsgegenstand betreffen,
- sowie – abhängig von der konkreten Testgestaltung – weitere Fragen zur methodischen Kontrolle und Interpretation.

Die entscheidende Überlegung lautet:

«Nicht die absolute Stärke einer einzelnen physiologischen Reaktion entscheidet, sondern die vergleichende Reaktion auf unterschiedlich konstruierte Fragen.»

Damit wird deutlich, weshalb die Vorbereitung des Tests eine zentrale Bedeutung besitzt.

Eine schlecht konstruierte Frage kann auch bei einer technisch einwandfreien Aufzeichnung zu einem diagnostisch wenig aussagekräftigen Messwert führen.

Beispiel: Untersuchung eines Verdachts auf sexuelle Untreue

Das folgende Beispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung des methodischen Prinzips. Eine reale Testserie wird immer anhand des konkreten Sachverhalts, der bekannten Informationen und der vorherigen Befragung individuell entwickelt.

Relevante Frage

R1:
„Hatten Sie zwischen dem 1. und 15. August 2026 Geschlechtsverkehr mit einer anderen Person als Ihrer Partnerin?“

Eine solche Frage wäre nur dann geeignet, wenn Untersuchungszeitraum und Untersuchungsgegenstand zuvor eindeutig definiert wurden.

Vergleichsfrage

C1:
„Haben Sie vor Ihrem 25. Lebensjahr jemals eine wichtige Angelegenheit gegenüber einer Ihnen nahestehenden Person bewusst verschwiegen?“

Auch eine solche Frage muss individuell vorbereitet und hinsichtlich ihrer Bedeutung mit der untersuchten Person besprochen werden.

Weitere relevante Frage

R2:
„Haben Sie innerhalb des genannten Zeitraums in einem Hotelzimmer Geschlechtsverkehr mit dieser Person gehabt?“

Hier wird der Untersuchungsgegenstand gegenüber R1 enger gefasst.

Irrelevante Frage

I1:
„Wohnen Sie derzeit in Deutschland?“

Sie besitzt keinen unmittelbaren Bezug zum Untersuchungsgegenstand und dient innerhalb der Testserie lediglich der Einordnung.

Die Fragen werden nicht isoliert betrachtet

Ein häufiger Irrtum besteht darin, einen Polygraphentest so zu verstehen, dass der Untersucher eine Frage stellt und anschließend anhand eines Ausschlags des Gerätes entscheidet:

„Das war eine Lüge.“

So funktioniert eine seriöse Auswertung nicht.

Der Polygraph zeichnet physiologische Reaktionen auf. Diese können beispielsweise durch emotionale Aktivierung, Überraschung, Erwartungsangst oder andere Faktoren beeinflusst werden.

Deshalb lautet die entscheidende Frage:

Wie verhält sich die Reaktion auf eine relevante Frage im Verhältnis zu den Reaktionen auf die dafür vorgesehenen Vergleichsfragen?

Genau diese vergleichende Betrachtung bildet einen wesentlichen Bestandteil des CQT-/MGQT-Prinzips.

Die Bedeutung der SR-Frage

Bei bestimmten Varianten und Testkonstruktionen kann zusätzlich eine Sacrifice Relevant Question (SRQ) eingesetzt werden.

Ihre Funktion darf jedoch nicht einfach mit einer normalen relevanten Frage gleichgesetzt werden.

Sie kann beispielsweise dazu dienen, die erste Konfrontation der untersuchten Person mit dem relevanten Themenbereich methodisch zu berücksichtigen. Deshalb wird eine solche Frage nicht automatisch wie jede andere relevante Frage interpretiert.

Hier zeigt sich ein wichtiger Grundsatz der praktischen Untersuchung:

«Ein Messwert ist nicht automatisch ein interpretierbarer Befund.»

Wenn die Konstruktion oder die Reaktion auf eine zusätzliche Frage keine ausreichend sichere Interpretation zulässt, sollte diese Unsicherheit nicht durch eine scheinbar präzise Bewertung verdeckt werden.

Die betreffende Variable kann dann bei der Gesamtbewertung entsprechend zurückhaltend oder nicht entscheidungstragend berücksichtigt werden.

Vom Messwert zum Befund

Die eigentliche Arbeit beginnt deshalb nicht erst mit dem Aufzeichnen der Kurven.

Sie beginnt bereits bei:

Sachverhaltsaufnahme → Vorgespräch → Hypothesenbildung → Fragenkonstruktion → Testdurchführung → Messung → Auswertung → Plausibilitätskontrolle → Befund

Das Ergebnis ist keine unmittelbare Feststellung der Wahrheit.

Vielmehr entsteht eine diagnostische Einschätzung auf Grundlage der erhobenen physiologischen Daten und der methodischen Rahmenbedingungen.

Deshalb wird bei einer fachlich verantwortungsvollen Untersuchung auch berücksichtigt, wenn einzelne Messwerte oder Fragen nicht eindeutig interpretierbar sind.

Der Polygraph ist kein Beweisautomat

Ein Lügendetektor-Test kann eine Aussage weder mit absoluter Sicherheit als wahr noch mit absoluter Sicherheit als unwahr beweisen.

Der Polygraph misst physiologische Reaktionen.

Er misst keine Wahrheit.

Und selbst ein sehr überzeugendes Testergebnis bleibt deshalb eine Messung mit einer daraus abgeleiteten diagnostischen Bewertung.

Für die Beurteilung eines konkreten Sachverhalts können daneben weitere Informationen, Aussagen, Dokumente, Beobachtungen oder forensische Untersuchungsergebnisse von Bedeutung sein.

Gerade deshalb ist es sinnvoll, einen Polygraphentest nicht isoliert, sondern als Bestandteil einer umfassenderen Untersuchung zu betrachten.

Unser Grundsatz

Moment, Punkt. Schauen wir noch einmal genauer hin.

Wir verstehen den Polygraphentest nicht als Ersatz für Ermittlungsarbeit und auch nicht als automatischen Wahrheitsbeweis.

Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus sauberer Vorbereitung, geeigneter Fragestellung, kontrollierter Messung, nachvollziehbarer Auswertung und kritischer Plausibilitätsprüfung.

Denn manchmal ist die wichtigste fachliche Aussage nicht:

„Der Test zeigt eindeutig X.“

Sondern:

„Diese Variable lässt sich unter den gegebenen Bedingungen nicht sicher interpretieren – deshalb berücksichtigen wir sie nicht stärker, als es die Daten erlauben.“

Das ist keine Schwäche eines Untersuchers.

Es ist wissenschaftliche Zurückhaltung.

Und genau darin liegt für uns ein wesentlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Polygraphenuntersuchung.

Denn einen wirklichen Beweis liefert der Polygraph nicht.
Den gibt es – überspitzt gesagt – erst, wenn man tatsächlich danebensteht und die Kerze hält. 😉



 

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